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CINC - Center for Inclusive Citizenship

Das Forschungszentrum Inclusive Citizenship interessiert sich für die gesellschaftlichen Konstruktionen von Citizenship und die damit einhergehenden Exklusionsprozesse. Ausgehend von der Analyse der Exklusion wird interdisziplinär nach existierenden oder anzustrebenden Praxen der Inklusion gefragt. Dabei wird Exklusion nicht als ein Ausschluss aus der Gesellschaft verstanden, sondern vielmehr als eine Ausgrenzung in der Gesellschaft. Wer in- oder exkludiert wird und auf welche Weise wird nur verständlich, wenn die Analyse der Inklusions- und Exklusionsprozesse die Dimension der Macht an zentraler Stelle berücksichtigt.

Transdisziplinärer Ausgangspunkt ist das Spannungsverhältnis von zwei Bedeutungsdimensionen des Citizenshipbegriffs. Dieser schillert zwischen Statuszuschreibung der (Nicht-)Zugehörigkeit auf der einen und Praxen der Bürgerschaft auf der anderen Seite. Das System der Statuszuschreibungen ist dabei nicht statisch, sondern wird durch die Praxen der Bürgerschaft ständig herausgefordert und transformiert.

Die Forschungsperspektive des Zentrums gibt sich nicht mit einer reinen Top-Down-Perspektive zufrieden, sondern fragt durch den Bottom-Up-Blick nach den gesellschaftlich virulenten Formen von Citizenship – hier verstanden als bürgerschaftliche Praxen. Es wird davon ausgegangen, dass diese neuen Formen politischer Partizipation verstärkt jenseits klassischer Repräsentationsformen und Institutionen wie Wahlen, Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen praktiziert werden. In diesen Formen von Citizenship finden auf verschiedenen Ebenen bereits inklusive Praxen statt. Die subjektiven Umgangsweisen mit Diversität und Exklusionsmechanismen stehen im Mittelpunkt des Interesses.

Die Forschungsperspektive untersucht insbesondere die Phänomene der ethnischen und kulturellen Vielfalt, der gesellschaftlichen Konstruktion von Gender, der Migrationsgesellschaft und des Rassismus, des gesellschaftlichen Umgangs mit Behinderung, sexueller Identität sowie der Verhandlung von Armut in Geschichte und Gegenwart. Thematische Erweiterungen sind vorgesehen. Das Gemeinsame der Forschungsperspektive ist in zahlreichen Themenbereichen die Untersuchung von Exklusionsprozessen und inklusiven Praxen unter Einbeziehung der Sinnbildungen von Subjekten und der Perspektive der Veränderbarkeit exkludierender Strukturen durch bürgerschaftliche Praxen. Ziel ist über die bloß normative Forderung nach einer Inclusive Citizenship hinauszukommen und stattdessen empirisch informierte Grundlagen für eine auf Inclusive Citizenship zielende Bildung zu entwickeln, die an bestehende Sinnbildungen und Praxen anknüpft.

Ziel des Forschungszentrums Inclusive Citizenship ist es, zum einen wissenschaftliche Grundlagenforschung über gesellschaftliche Exklusionsmechanismen und inkludierende Praxen weiterzuentwickeln und zum anderen adressatenorientiertes Handlungswissen für verschiedene gesellschaftliche und bildungspraktische Institutionen und Netzwerke hervorzubringen. Diese Fokussierung ist dringend geboten, um den Anforderungen an den Wandel der Demokratie angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen gerecht zu werden. Ein didaktischer Blick auf die Demokratie ermöglicht es, gesellschaftliche Transformationen als Lernprozess zu verstehen, in denen die Bedingungen des Zusammenlebens neu ausgehandelt werden. Hierfür spielen die Lernprozesse der Subjekte, also Bildung, eine Schlüsselrolle. Dieses weite Didaktikverständnis liegt dem FZ als ein verbindendes Element zugrunde und stellt die Zielperspektive für die Grundlagenforschung von gesellschaftlichen Exklusionsmechanismen und inklusiven Praxen dar.

Das Forschungszentrum Inclusive Citizenship bietet durch die beteiligten Arbeitsbereiche eine für diesen Bereich einzigartige interdisziplinäre Breite an. In das Forschungszentrum fließen die Erfahrungen von interdisziplinärer Forschung und thematisch verwandte Ergebnisse aus folgenden bereits erfolgreich transdisziplinär arbeitenden Forschungsverbünden an der Leibniz Universität Hannover mit ein: die Arbeitsstelle für Diversität, Migration und Bildung (diversitAS), die Leibniz School of Education (LSE), das Institut für Didaktik der Demokratie (IDD), das Institut für Didaktik der Naturwissenschaften (IDN) und das Promotionsprogramm „Didaktische Forschung“. Insbesondere das laufende Verbundprojekt Cultural Heritage als Ressource? (CHER) ist ein zentraler Ausgangspunkt der transdisziplinären Arbeit des Forschungszentrums.